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Kongress Konfirmandenarbeit

Die Dokumentation des Kongresses finden Sie hier: Kongress Homepage

Konfirmanden mit Bischof July

Konfirmanden mit Bischof July

 

 

Hier das ausführliche Transskript der Fragerunde:

1. Fragerunde

1. Wie wird man Landesbischof?
Das ist eine gute, einfache Frage. Man wird Landesbischof, indem Menschen aus unserer Synode aus dem Kreis, die den Landesbischof wählen, sich überlegen, wer könnte das vielleicht werden dann wird man angefragt, so war das in meinem Fall. Dann habe ich mich nach längerem Überlegen bereit erklärt zur Wahl zu stellen, und bin dann von der Synode, also der Versammlung derer die mich zu wählen haben, gewählt worden, schon im ersten Wahlgang mit zwei Drittel Mehrheit muss man gewählt werden. Man kann sich also nicht selber bewerben, sondern wird gefragt, und ist dann bereit für dieses Amt zu kandidieren.

2. Welche Aufgabe tun Sie gerne, welche Aufgabe mögen Sie überhaupt nicht?

Was ich sehr gerne tue, das mache ich nachher gleich, Gottesdienst feiern. Ich bin viel unterwegs in den Gemeinden. Was ich auch gerne mache ist natürlich Besucher empfangen aus anderen Kirchen dieser Welt oder auch andere Kirchen in der Welt zu besuchen.

Was ich nicht ganz so gerne mache, aber das mache ich natürlich auch, ich krieg oft jeden Tag so einen Stapel mit Unterschriftenmappen und als ich so alt war wie ihr, habe ich gerne Unterschriften geübt, das macht man ja in einem bestimmten Alter und habe gedacht, das wäre doch schön, wenn ich mal später unterschreiben darf. Diesen Wunsch hat mir der liebe Gott erfüllt, jetzt muss ich jeden Tag ganz viel unterschreiben, aber in der Zwischenzeit mache ich es nicht mehr ganz so gerne.

3. Beten Sie oft? Und wann?

Eine sehr persönliche Frage, ich bete oft und zwar, ich war mal längere Zeit in einem Kloster, als evangelischer Christ in einem katholischen Kloster und habe da eine Gebetsform gelernt, die mir sehr wichtig ist, morgens schon beim Aufstehen im Bett versuche ich schon ein erstes Stoßgebet in den Himmel zu schicken, dass der Tag gut gehen möge. Dann gibt es manchmal so Situationen am Tag über wo ich ganz kurzes inneres Gebet habe und sonst beim Einschlafen, wie es sich auch gehört.

4. Haben Sie Angst vor dem Tod?

Ich glaube jeder von uns hat in gewisser Weise Angst vor dem Tod. Ich habe viele Menschen schon sterben gesehen und es erlebt. Ich war lange in einem Krankenhaus auch als Pfarrer und gleichzeitig als Christ versuche ich mir immer wieder neu deutlich zu machen, dass hinter dem Tod Gott auf uns wartet, daran glaube ich. In welcher Form und Weise kann man sich verschieden vorstellen, aber das man nicht einfach irgendwo sinnlos ins Grab sinkt, sondern dass das Leben durch Gott einen Sinn bekommt. Insofern habe ich dann auch wieder ein Gefühl von Geborgenheit.

5. Glauben Sie alles, was in der Bibel steht?

Man muss sich klar machen, was die Bibel ist, nämlich eine große Sammlung von verschiedenen Büchern, wo Menschen zu ihrer Zeit das was sie glauben, was ihnen wichtig war, von Gott aufgeschrieben haben. Das haben sie in verschiedener Weise gemacht. Der Kern der Botschaft, dass Gott auf diese Welt gekommen ist, die Welt geschöpft hat und uns dann erlöst hat, das glaube ich. Bei manchen Stellen in der Bibel, muss man fragen, wie sie eigentlich ursprünglich gemeint sind. Aber die Zuverlässigkeit, dass die Bibel uns den Weg weisen kann, daran glaube ich fest und das ist für mich wichtig.

6. Sind Sie mit der Kirche schon einmal in Konflikt geraten?

Zweimal, einmal als ich noch Student war, Theologiestudent. Habe ich damals ein bißchen einen aufsässigen Brief an den Oberkirchenrat geschrieben – das ist die Behörde, die in Stuttgart die Kirche leitet, die ich heute selber leite. Und später, als ich dann im Oberkirchenrat war habe ich durch eine Panne meine eigene Personalakte mal in der Hand gehabt, und da hat damals einer auf meinen Brief -meinen Protestbrief geschrieben: „Schon wieder einer der so protestiert!“ Das war das eine Mal und das andere Mal hatte ich etwas Ärger als ich mich geärgert habe, dass der Oberkirchenrat lange Zeit auf meine Anfrage keine Antwort gegeben hat. Und da habe ich mich so geärgert, dass ich dann auch das Telefon genommen hab und gesagt hab, warum kriege ich keine Antwort? Das war zweimal, aber das waren nicht so schlimme Konflikte. Ich bin ja noch im Amt.

Was ist denn der Oberkirchenrat? (Frage von einem der Moderatoren)

Der Oberkirchenrat ist so was wie ein großes Ministerium. Wenn ihr wisst was ein Ministerium ist. Also da sitzen ganz viele Menschen. In Stuttgart sind es 300 in dieser Behörde und denken nach über, wenn jemand einen Protestbrief schreibt, wie der beantwortet wird, über Geld wird dort nachgedacht, aber auch, welcher Pfarrer in welche Gemeinde kommt. So was wird alles im Oberkirchenrat überlegt. Oder wie der Religionsunterrricht vielleicht auszusehen hat. Eine ganze Mischung von vielen Fragen.

7. Haben Sie schon einmal gebeichtet?

Gebeichtet, ja. In der evangelischen Kirche beichtet man ja eigentlich in jedem Gottesdienst wenn Abendmahl gefeiert wird. Aber du meinst wahrscheinlich, dass ich alleine – einen Beichtstuhl gibt es ja in der evangelischen Kirche nicht. Ich habe aber mal mit einem Pfarrer in einer Lebenslage, wo es mir sehr schlecht ging ein Gespräch geführt, und am Schluss von diesem Gespräch hat er einen Segen mir zugesprochen, so was ist so was wie eine Beichte habe ich schon mal erlebt. Tut manchmal ganz gut, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht. Wenn man zu jemand anderem geht, und sagt, kannst Du mir helfen.

8. Sind Sie schon immer ehrlich gewesen?

Vielen Dank, dass du mir abnimmst, dass ich jetzt ehrlich bin. Er hat gefragt, sind Sie schon immer ehrlich gewesen. Also ich bemühe mich natürlich, allerdings muss ich sagen, ich habe früher, als ich mal Stress mit meinen Eltern hatte auch zu Notlügen, kleinen Notlügen Ausflucht genommen, weil ich da Angst hatte, und da habe ich dann schon mal eine Notlüge gemacht. Aber sonst bemühe ich mich weitgehend immer ehrlich zu sein. Sonst glaubt man mir ja nicht wenn ich predige und sie sagen, der ist ja sowieso unehrlich, da muss man schon kucken.

9. Was halten Sie persönlich vom Papst?

Oh. Also ich fliege am Mittwoch nach Rom, um den Vatikan zu besuchen. Ich habe hohen Respekt vor dem Papst als Leiter einer Weltkirche mit über einer Milliarde Mitglieder und ich halte auch viel von dem jetzigen Papst, weil er ist ein guter Theologe, ich bin aber als evangelischer Christ mit manchen Fragen über das Papstamt selber nicht einverstanden und manches was der Papst sagt, würde ich selber auch noch etwas anders sehen. Aber als jemand der mit 80 Jahren so eine große Weltkirche leitet habe ich persönlich hohen Respekt vor ihm als Mensch und als Person.

2. Fragerunde (Thema Gottesdienst)

1. Warum müssen Konfirmanden jeden 2. Sonntag in den Gottesdienst?

Da geht es euch schon besser als mir im Konfirmandenunterricht, ich musste jeden Sonntag kommen damals. Ich glaube es ist schon wichtig, das Konfirmandinnen und Konfirmanden einfach auch mal erleben, was Kirche ist, und Kirche ist auch Gottesdienst, so wie Konfirmandenunterricht, den ihr haltet auch Kirche ist und ich glaube, um einfach mitzuleben, sollte man erleben was im Gottesdienst geschieht, nicht nur einmal oder zweimal sondern öfters, um dann vielleicht auch Anregungen zu geben, dass man sagen kann, das und das finden wir schwierig am Gottesdienst, das möchten wir gerne anders haben. Aber das Argument ist natürlich besser, wenn man was anders haben will, wenn man auch hin und wieder Gottesdienst miterlebt. Wenn ich zu Besuch bin in Gemeinden, kommen immer Konfirmandinnen zu mir mit ihrem Ausweis – wenn der Bischof da ist, wollen sie immer das der Bischof unterschreibt – da sag ich immer, das gilt doppelt, aber da krieg ich dann immer Ärger mit den Gemeindepfarrern. Ich glaub das es gut ist, hin und wieder in dem Jahr zu erleben, wie Gottesdienst und Kirche sich ereignet. Um dann auch Anregung zu geben, wie es besser sein könnte.

2. Man kann doch auch an Gott glauben, ohne in die Kirche zu gehen?

Ja, das kann man, aber zur christlichen Gemeinde gehört eigentlich immer dazu, dass Menschen, die an Gott glauben, auch miteinander etwas tun wollen. Einfach weil in der Bibel steht, dass Menschen, die an Christus glauben, die an Gott glauben dann auch etwas für die Welt tun wollen, andern helfen etwa, und das kann man schlecht alleine. Deswegen ist gut, wenn Christsein auch Gemeinschaft heißt, so wie in der Familie. Manchmal will man mehr alleine sein, manchmal braucht man aber auch die Hilfe der übrigen Familie. Und so ist es, wenn man an Gott glaubt, das kann man für sich schon tun, man kann sich zurückziehen, aber hin und wieder sollte man auch mit anderen zusammen diesen Glauben proben. Ihr habt es ja vorhin in diesem Rap gehört, da heißt es ja auch, miteinander Schritte tun.

3. Warum ist der Gottesdienst total altmodisch?

Oh, das ist eine ganz heikle Frage, ich empfinde ihn natürlich nicht altmodisch, aber ich bin auch älter als ihr, das ist mir klar. Ihr seht ja das heute beim Jugendtag auch andere Gottesdienste möglich sind. Es gibt Gottesdienste, die sind extra so gestaltet, dass Jugendliche sich wohlfühlen, aber ich verstehe die Frage. Der normale Sonntagsgottesdienst ist sicher anders, der hat eine lange Geschichte und Tradition, wobei mir Menschen sagen, die vor 30 Jahren auch gesagt haben, wir wollen, dass der Gottesdienst anders wird, jetzt sagen, uns tut es gut, dass er nicht alle zwei Jahre komplett geändert wird. Wir haben es gerne, wenn der Gottesdienst auch so ist, dass wir über Jahre hinweg ihn wieder erkennen. Aber ich sag es gibt Jugendkirche, es gibt Jugendgottesdienste und Jugendliche können sich daran beteiligen und sollen vielleicht auch hin und wieder dafür sorgen, dass er hin und wieder so wird, das Jugendliche gern im Gottesdienst sind.

4. Warum kommen nur alte Menschen in den Gottesdienst?

Ich komme viel im Land herum, da seh ich auch Jugendliche und habe auch schon Gottesdienste mit Jugendlichen gefeiert. Aber es stimmt, im normalen Sonntagsgottesdienst sind sagen wir mal die unter 30 seltener und die unter 20 kaum. Das hängt natürlich damit zusammen, das sehe ich bei meinen eigenen Kindern, dass man ein anderes Lebensgefühl heute hat. Die kommen Samstag Nacht auf Sonntag relativ spät raus und als ich noch Schüler und Student war, wollte ich manchmal sonntags auch gerne ausschlafen und da hat mich meine Mutter allerdings aus dem Bett gezogen und hat gesagt, du willst Pfarrer werden und wenn später dann alle im Bett bleiben wie du jetzt, dann ist keiner in der Kirche. Also bin ich aufgestanden und zum Gottesdienst gegangen. Aber ich verstehe das, für junge Menschen ist Sonntag morgens halb zehn nicht gerade die attraktivste Zeit zum Gottesdienst zu gehen. Und vielleicht auch manchmal die Musik und die Lieder. Deswegen feiern wir manchmal auch Gottesdienste in Stuttgart schon nachmittags um 17.00 Uhr für junge Leute, das gibt’s auch. Ist nicht der Normalfall, aber das gibt es.

5. Warum dauert die Predigt so lange, und warum ist sie so langweilig?

Ich würde dich gerne einmal einladen zu einem Gottesdienst und bemühe mich dann, dass die Predigt dort ganz besonders kurzweilig ist und nicht langweilig. Es hängt damit zusammen, dass auch da die Zeiten sich geändert haben. Früher in Württemberg, haben die Leute noch eine knappe Stunde zuhören müssen. Da war eine Predigt fast eine Stunde lang, dann war sie nur eine halbe Stunde, jetzt kenn ich Pfarrer, die predigen höchstens 10 bis 15 Minuten. Das es immer noch zu langweilig ist, müssen wir noch einmal darüber nachdenken, warum ihr es zu langweilig findet. Es liegt vielleicht auch daran, dass wir alle gewöhnt sind, wenn wir Fernsehn schauen, dass eine Szene schon nach 30 Sekunden sich verändert. Wir sind es gar nicht gewöhnt lange zuzuhören und das ist sicher eine Aufgabe von uns allen, zu überlegen, wie wir es besser machen können. Aber manchmal braucht man auch ein bißchen länger, um einen Gedanken zu erklären.

6. Warum fängt die Kirche so früh an?

Das ist eine alte Tradition. Es kommt ursprünglich aus einer Zeit, wo viele Menschen in dem Land Bauern waren. Dann war sonntags die Zeit um halb zehn, die Zeit, wo die Leute schnell Pause hatten und ihr Vieh nicht füttern mussten, dass ist der Grund warum um halb zehn der Gottesdienst Sonntag morgens ist. Hat also gar nichts mit einer heiligen Zeit zu tun, sondern das war früher im Lebensgefühl, die Zeit, die am besten geeignet war. Deswegen kann man ruhig mal drüber nachdenken, ob man den Gottesdienst später macht. Mir wäre es auch lieber, wenn der Gottesdienst erst um 11.00 Uhr wäre, weil als Bischof predige ich jeden Sonntag, und wenn ich dann nach Süd-Württemberg muss, steht dann Sonntag morgens schon um 7.00 Uhr mein Chauffeur mit dem Auto da. Und wenn es um 11.00 Uhr wäre, wär mir auch lieber, aber sagt es nicht weiter.

7. Warum gibt es keine fetzigen Lieder?

Also ich glaube, dass es schon fetzige Lieder gibt in unserer Kirche, die werden nur nicht immer überall gesungen. Dann könnt ihr mit eurem Pfarrer oder eurer Pfarrerin mal sprechen, dass sie mal einen Gottesdienst mit Liedern machen, die euch besser gefallen. Es gibt solche Lieder, heute am Jugendtag sind auch solche zu hören. Die alten Lieder kann man auch noch nach hundert Jahren wieder singen, man hat sich nicht daran satt gehört, so wie mit manchen Liedern aus den Pop-Charts. Aber ich bin auch dafür, hin und wieder fetzige Lieder zu singen.

8. Warum wird in der Kirche nur Orgel gespielt?

Es wird auch nicht mehr nur Orgel gespielt, heute spielt unten eine Band, oder oft spielen auch Posaunenbläser, aber die Orgel ist ein sehr altes Instrument und man hat in der Kirche schon vor tausend Jahren damit angefangen. Man hat sich das halt so angewöhnt und hat das Gefühl, es ist besonders festlich, wenn die Orgel spielt. Aber ich war in Afrika vor einem halben Jahr und da gibt es in den Kirchen gar keine Orgel, da allein das Klima jede Orgel kaputt machen würde. In Afrika ist klar, da wird mit Trommeln und mit Liedern Gottesdienst gefeiert. Bei uns in Europa ist das eine alte Tradition und es sind sehr kostbare Instrumente. Aber man darf manchmal ja auch andere Instrumente benutzen. Man kann ja Gitarre spielen und trotzdem hin und wieder Orgel.

9. Gehen Sie gerne in die Kirche und kommen Ihre Kinder auch mit?

Ich gehe immer gerne zur Kirche, ich hatte aber auch mal eine Zeit, wo ich von meiner Mutter aus dem Bett gezogen werden musste. Ich bin schon sehr früh zur Kirche gegangen, obwohl ich gar nicht aus einer besonders frommen Familie komme, aber früher war das üblich, dass man sonntags in den Gottesdienst ging. Ich bin auch gerne in andere Kirchen gegangen, weltweit, mir gefällt es immer noch. Es gibt es natürlich manchmal auch, das ich in der Kirche sitze und denke muss die Predigt denn jetzt so sein wie sie ist, aber dann bin ich immer sehr barmherzig, weil ich manchmal auch predige und denke, das denken die Leute dann auch von mir. Meine Kinder, ich habe 4 Kinder sind eigentlich so groß geworden, dass sie oft mit in den Gottesdienst gingen, aber wir haben nie Zwang ausgeübt, weil ich wusste, es gibt auch Zeiten, wo man nicht so gerne geht. Der Jüngste ist 16, den muss man immer noch ein bißchen treiben, die anderen gehen freiwillig relativ oft in die Kirche. Aber ich finde, man muss die Kirche so einladend machen, dass sie kein Zwang ist, sondern das man selbst gerne hingeht. Sonst geht man irgendwann, wenn man selbständig ist, nicht mehr gerne rein, deswegen habe ich meinen Kindern immer viel Freiheiten gelassen.

3. Fragerunde (Fragen aus dem Plenum)

1. Welche Einstellung haben Sie zur Konfirmation?

Ich kann nur von meiner Konfirmation erzählen, die war mir relativ wichtig. Das war für mich damals ein Signal, dass ich in der Gemeinde jetzt anerkannt werde. Wir sind dann damals umgezogen – Konfirmation ist ein Fest, wo man einfach sich deutlich macht, dass man zum einen erwachsener wird, dass man wahrgenommen wird noch besser von den Erwachsenen – hoffentlich vorher auch schon – und das man in der Gemeinde mithelfen kann, denn die Kirche braucht euch als Konfirmandinnen und Konfirmanden, und dass ihr eure Ideen reinbringt. Ich halte Konfirmation nach wie vor für etwas sehr schönes.

2. Was meinen Sie, dass sich manche Konfirmanden nur wegen dem Geld konfirmieren lassen?

Wäre schade, ich meine, das Geld ist nicht schlecht, aber es wäre schade, wenn das der alleinige Grund wäre, denn ich glaube, wenn man nur so die Konfirmation erleben würde, ein Stück weit etwas verschenkt, was man auch sonst erleben könnte, dass man nämlich neu über Glauben, Familie, Freunde, Gott nachdenken kann. Deswegen wäre das Geld zwar ganz schön, aber das eigentliche, was man bei der Konfirmation auch noch geschenkt bekommt, wäre dann gar nicht richtig angekommen, deswegen, Geld ist in Ordnung aber auch ja sagen zur Gemeinde, und sich engagieren zu Gott, das wäre dann doch noch wunderbar, wenn das dazu käme.

3. Haben Sie Bodyguards?

Mein Fahrer hat früher mal einen Gummiknüppel im Auto gehabt, aber eigentlich finde ich, braucht ein Bischof keine Bodyguards. Ich habe natürlich meistens, wenn ich unterwegs bin einen Fahrer, der mich fährt, den ich schon lange kenne. Der war früher mal Metzgermeister, der ist richtig kräftig, da hab ich dann keine Angst, und manchmal ist noch ein Mitarbeiter dabei. Ich hab es bisher erst einmal erlebt, vor einigen Wochen, als hier in Stuttgart ein großer Kongress war, wo viele geistliche Gemeinschaften aus Europa da waren, da war ich auch als Bischof erkennbar, ich laufe nicht immer so herum wie heute, aber da auch mit Kreuz, und da war eine kleine Sekte, eine Gruppe, die ganz gegen Bischöfe und Kirche sind und da hat mich einer leicht angerempelt und mich beschimpft, aber da habe ich auch keinen Bodyguard gebraucht. Und den Gummiknüppel haben wir auch nicht mehr im Auto, weil ich gesagt habe, ein Bischof braucht keinen Gummiknüppel.

4. Was hatten Sie für eine Note in Religion, als Sie so alt waren wie wir?

Religion war ich immer nicht ganz so schlecht, das brauchte ich aber auch, um die schlechte Note in Mathe auszugleichen. Aber in Religion war es immer ein bißchen besser, das wäre jetzt falsch, wenn ich sage, da hätte ich eine 5 gehabt.

5. Ist ein Bischof auf Zeit gewählt und wenn ja, wie lange?

In Württemberg ist es bisher üblich gewesen, dass ein Bischof auf Lebenszeit gewählt ist. Lebenszeit gilt aber nur bis 68. D.h. ich bin bis 68 im Amt, ich werde nächste Woche 53, wenn ich also gesund bleibe oder die Synode mich nicht irgendwann absetzt, werde ich noch 15 Jahre Bischof sein. Aber ab nächstem Jahr gilt ein Gesetz, das alle die dann gewählt werden nur eine bestimmte Zeit im Amt bleiben.

6. Warum glauben Sie, dass es Gott gibt?

Zum einen weil ich selber in der biblischen Botschaft wahr genommen habe, die mir immer wieder gesagt wurde, sein Leben auf Gott zu vertrauen ist sinnvoll und man kann Gott selber nicht wie in einem chemischen Versuch zeigen, sondern es ist immer ein Geschehen, das auf Vertrauen und auf Hören angewiesen ist. Ich selber habe in meinem Leben sehr viele schöne, aber auch sehr schwere Erfahrungen gehabt und in der Zeit ist mir im Gebet und im Hören auf die Bibel sehr persönlich klar geworden, dass ich auf dieses Fundament bauen und vertrauen kann. Das ist wie in einer Liebesbeziehung zu einem anderen. Ich vertraue und glaube fest daran, dass Gott mein Leben begleitet.

7. Finden Sie es wichtig, dass man Schultern und Knie in der Kirche bedeckt?

Heißt es, dass ihr das in eurer Kirche so machen müsst? Man muss das vielleicht so erklären. In vielen Kulturen, auch in anderen Ländern, möchte man, dass wenn man in eine Kirche – das gilt dann als heiliger Raum – auch in der katholischen oder orthodoxen Kirche in Griechenland meint man, wenn man zu Gott in diesen Raum kommt eine gewisse Ehrerbietung ihm zu zeigen ist. Das ist so ähnlich, wie wenn du zu einem Fest eingeladen bist z. B. einer Hochzeit, dann ziehst du etwas anderes an als im Schwimmbad und deswegen gibt es die Traditionen. Ich glaube aber, dass der liebe Gott dich nicht rausschicken würde, wenn du nur mit einem Spagetti-T-Shirt in die Kirche kommst ich glauben das ist weniger der Grund, es ist mehr, man zieht sich vielleicht für die Kirche um oder für den Gottesdienst um damit zu zeigen, es ist etwas besonderes. Aber ich glaube auch, dass man mit kurzen Hosen reindarf und mit offenen Schultern, allerdings ist es auch wichtig ein Gespür dafür zu haben, dass eine Kirche etwas anderes ist wie ein McDonald. Wenn man heute schon bei den Kirchen Schilder machen muss, dass man nicht mit dem Eis in die Kirche gehen darf, finde ich es schon wichtig, dass man ein gewisses Gefühl hat, dass der Kirchenraum ein Raum ist, der etwas besonderes ist. Da würde ich sagen, sollte man schon Wert drauf legen. Aber du darfst schon mit kurzen Hosen rein.

8. Wieviel verdienen Sie denn?
Über Geld spricht man ja nicht so gerne. Ein Bischof verdient nicht wenig, er verdient aber auch nicht so viel, wie manche meinen. Ich verdiene so viel, wie der Leiter eines Ministeriums. Noch nicht so viel wie ein Minister, schon weniger wie ein leitender Ministerialrat. Aber die Summe sage ich jetzt auch nicht so ganz genau, weil man verschiedene Abzüge noch hat. Ich bekomme sehr viel abgezogen. Als ich Bischof wurde habe ich erst gedacht, klasse, da verdiene ich ein bißchen mehr als vorher, obwohl ich deswegen nicht Bischof werden wollte. Und als ich dann gesehen habe, wie viel Steuer abgezogen wird, da habe ich dann gedacht, es hat sich doch nicht so gelohnt.

9. Was denken Sie, wann wird Jesus wieder auf die Erde kommen?

Das ist eine schwierige Frage, weil immer wieder Menschen versucht haben aus der Bibel heraus Zahlen aufzuschreiben – in der Bibel gibt es sehr viele Aussagen, dass Jesus zurückkommt und es werden auch Zahlen genannt und da gab es immer wieder Menschen, die sich hingesetzt haben und rumgerechnet haben und gesagt haben, im Jahr 1867 kommt er. Dann haben sich Menschen auf den Weg gemacht und haben alles verkauft und dann kam Jesus 1867 eben nicht und viele Menschen waren enttäuscht. Ich glaube es ist falsch, das mit menschlicher Rechenkunst auszurechnen und zu sagen, Gott kommt dann oder dann. Wir haben das Vertrauen in die Zusage, dass am Ende der Zeiten, Gott, Jesus wiederkommen wird. Wann das Ende sein wird weiß keiner von uns und ich fände es auch falsch, genau zu sagen, dann und dann kommt er. Aber wir haben die Hoffnung, dass wir wissen, alles was wir in dieser Welt auch an verkehrtem tun wird eines Tages vor Gott in ein klares Licht gestellt werden, das kann auch ein Trost sein. Es gibt viele Dinge, die sind so schlimm, dass ich darauf hoffe, dass eines Tages in Gott auch alles wieder seinen Platz finden wird.

10. Wollten Sie früher schon immer Pfarrer werden, oder wollten Sie als Kind etwas anderes werden?

Ich wollte lange Zeit Baggerfahrer werden, weil damals in den 50iger Jahren wurden in meiner Heimat Häuser abgerissen, und da gab es noch richtige Bagger nicht so ein hydraulischer Kruscht wie heute, sondern richtige Bagger mit Ketten und Stangen. Das hat mir immer gefallen, wenn so ein Bagger eine Mauer eingerissen hat. Ich wollte sehr lange Baggerfahrer werden, dann wollte ich sehr lange, als ich in der Schule war eigentlich ans Theater gehen. Ich wollte Theaterwissenschaften und Deutsch studieren und habe eigentlich erst 2 Jahre vor dem Abitur nach langen, inneren Überlegungen und Begegnungen mich entschieden, Theologie studieren zu wollen. Und habe es bis heute eigentlich nicht bereut, obwohl ich manchmal immer noch gerne ins Theater gehe und manchmal sage ich, spielen wir in der Kirche ja auch fast Theater.

11. Haben Sie viel Zeit für die Familie?

Da erwischt ihr mich an einem schlechten Punkt. Viel Zeit für die Familie habe ich zur Zeit nicht, ich habe meinen Kindern versprochen, etwas zu verändern in meinem Leben. Wir haben 4 Kinder, 3 sind schon weg, aus dem Haus. Aber der jüngste ist jetzt gerade 16 und der hat mir das neulich sehr deutlich gesagt und ich habe ihm jetzt versprochen, ein paar Tage ganz allein mit ihm in den Urlaub zu fahren. Und letzte Woche, da hatte ich auch sehr viel zu tun, da hat meine Frau einen Reisekatalog auf den Tisch gelegt und hat zu mir gesagt, ich will man zu zweit mit dir in den Urlaub fahren. Das waren so 2 Signale, dass ich mehr Zeit einbringen muss.

12. Wie stellen Sie sich Gott vor – als Person oder wie?

Ich glaube, dass wenn wir von Gott sprechen, wir ihn uns immer in einer Weise persönlich vorstellen, weil zu irgendeiner Ur-macht, die im Raum wabert oder so kann ich kein persönliches Verhältnis haben. Ich bete ja zu Gott. Man hat ja die Vorstellung Gott der Vater, der Sohn, der Heilige Geist, wobei wir sicher uns Gott nicht als den Mann mit dem langen weißen Bart vorstellen sollen, sondern als ein persönliches Gegenüber. Das Bild Gottes für mich ist Jesus Christus, der auch auf die Welt kam, einer, der am Kreuz geendet ist, da kann ich Gott in dieser Welt mir vorstellen. Aber das Gott eine persönliche Kraft ist, die man auch persönlich ansprechen kann, daran glaube ich.

13. Wann haben Sie Geburtstag?

Danke! Ich kann ja verraten, dass ich genau am selben Tag und im selben Jahr geboren bin, wie die Bundeskanzlerin, der ich das vor einiger Zeit gesagt hab. 17. Juli 1954. Also ich heiß July, bin im Juli geboren und habe deswegen immer viel Spott von Lehrern und Mitschülern in der Schule zu ertragen gehabt.

14. Sind Sie nachher auch im Konfirmandengottesdienst?

Ich predige nachher in der Stiftskirche.

Frage des Landesbischofs July an die Konfirmanden:

1. Wie habt ihr den Jugendtag bisher erlebt?

Noch eine Botschaft: Das euch klar ist, dass das, was ihr heute erlebt habt auch Kirche ist, also nicht nur der Sonntag, der vielleicht manchmal ein bißchen langweiliger für euch sein mag. Das was ihr da heute macht ist auch Kirche. Oder in einer diakonischen Einrichtung habe ich 10 Jahre lang gearbeitet mit behinderten und kranken Menschen, auch das ist Kirche.

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